Eine niedrigere Vorlauftemperatur ist im Altbau sinnvoll, wenn alle genutzten Räume damit auch an kalten Tagen ihre gewünschte Temperatur erreichen. Sie kann Wärmeverluste im Rohrnetz reduzieren und den Betrieb einer Brennwertheizung oder Wärmepumpe verbessern. Die häufigste Fehlerquelle ist eine zu starke Absenkung, obwohl Heizkörper, Wärmeverteilung oder Gebäudehülle dafür nicht ausreichen. Änderungen an der Regelung kannst du vorsichtig testen; Arbeiten am Wärmeerzeuger, an Gasbauteilen oder an elektrischen Anschlüssen gehören in einen Fachbetrieb.
Der Nutzen hängt vom Heizsystem ab
Die Vorlauftemperatur bezeichnet die Temperatur des Heizungswassers, das vom Wärmeerzeuger zu Heizkörpern oder Flächenheizungen strömt. Je höher sie liegt, desto größer ist bei gleicher Heizfläche meist die mögliche Wärmeabgabe. Eine Absenkung spart jedoch nicht automatisch in jedem Altbau gleich viel Energie.
Bei einer Wärmepumpe verbessert eine geringere erforderliche Heizwassertemperatur in der Regel die Effizienz, weil das Gerät einen kleineren Temperaturunterschied überwinden muss. Bei einem Brennwertkessel ist vor allem eine ausreichend niedrige Rücklauftemperatur günstig, damit Wasserdampf im Abgas kondensieren und zusätzliche Wärme nutzbar werden kann. Eine niedrigere Vorlauftemperatur kann dazu beitragen, garantiert aber für sich allein noch keinen optimalen Brennwertbetrieb.
Bei älteren Heizkesseln ohne Brennwerttechnik gelten andere Betriebsbedingungen. Eine beliebige Absenkung kann dort ungeeignet sein, wenn der Kessel eine bestimmte Mindesttemperatur benötigt oder die Regelung nicht für einen gleitenden Niedertemperaturbetrieb ausgelegt ist. Maßgeblich sind Typenschild, Anlagenunterlagen und die Vorgaben des Herstellers. Fehlen diese Angaben, sollte ein Heizungsfachbetrieb den Kesseltyp und die zulässigen Einstellungen bestimmen.
Entscheidend ist der ungünstigste Raum
Ob die Temperatur abgesenkt werden kann, entscheidet nicht der wärmste Raum, sondern der Raum mit der knappsten Heizleistung. Das ist häufig ein Eckzimmer, ein Raum unter dem Dach oder ein Zimmer mit kleinen Heizkörpern und großen Außenflächen. Bleibt dieser Raum bei vollständig geöffnetem Heizkörperventil zu kühl, liegt die Grenze der gewählten Einstellung bereits zu niedrig oder die Wärmeverteilung ist mangelhaft.
Große Heizkörper können dieselbe Raumheizlast mit niedrigerer Wassertemperatur decken als kleine Heizkörper. Auch überdimensionierte ältere Radiatoren sind nicht automatisch ungeeignet: Ihre große Fläche kann bei reduzierter Temperatur sogar hilfreich sein. Entscheidend sind Bauart, Größe, Durchströmung und tatsächliche Heizlast des Raums. Fußboden- oder Wandheizungen arbeiten wegen ihrer großen Fläche üblicherweise mit niedrigeren Temperaturen, müssen im Altbau aber passend aufgebaut und geregelt sein.
Der energetische Zustand des Gebäudes beeinflusst die nötige Heizleistung ebenfalls. Undichte Fensteranschlüsse, ungedämmte Bauteile und hohe Luftwechsel erhöhen den Wärmebedarf. Eine niedrigere Einstellung kann trotzdem möglich sein, wenn die vorhandenen Heizflächen ausreichend groß sind. Die pauschale Gleichung Altbau gleich hohe Vorlauftemperatur ist daher ebenso unzuverlässig wie die Annahme, jeder Altbau eigne sich ohne weitere Maßnahmen für sehr niedrige Systemtemperaturen.
Mit der Heizkurve statt mit einem festen Einzelwert arbeiten
Bei einer witterungsgeführten Regelung wird die Vorlauftemperatur abhängig von der Außentemperatur bestimmt. Dafür nutzt die Anlage eine Heizkurve beziehungsweise Heizkennlinie. Ihre Neigung beeinflusst vor allem, wie stark die Vorlauftemperatur bei sinkender Außentemperatur steigt. Das Niveau verschiebt die Kennlinie über einen größeren Temperaturbereich nach oben oder unten.
- Sind die Räume bei milder Witterung und bei Frost gleichermaßen zu warm, ist das Niveau möglicherweise zu hoch.
- Passt die Temperatur bei mildem Wetter, während es an kalten Tagen zu kühl wird, kann die Neigung zu niedrig sein.
- Ist es bei mildem Wetter zu warm, an kalten Tagen aber passend, kann die Neigung zu hoch sein; eine Kombination aus geringerer Neigung und angepasstem Niveau kann dann geeigneter sein.
- Weicht nur ein Raum ab, sollte nicht sofort die gesamte Heizkurve verändert werden. Zuerst sind Heizkörper, Ventil, Durchfluss und Wärmeverluste dieses Raums zu prüfen.
Die Bezeichnungen und Einstellbereiche unterscheiden sich je nach Regelung. Vor einer Änderung solltest du den vorhandenen Wert notieren oder die Anzeige fotografieren. So lässt sich der Ausgangszustand wiederherstellen, falls der Komfort sinkt.
Ein belastbarer Absenkversuch braucht Zeit
Die Einstellung sollte schrittweise erfolgen. Große Sprünge erschweren die Auswertung und können dazu führen, dass ausgekühlte Räume erst verspätet auffallen. Bei trägen Gebäuden und Flächenheizungen zeigt sich die Wirkung einer Änderung nicht innerhalb weniger Minuten.
- Wähle für die Beobachtung die regelmäßig genutzten Räume und bestimme jeweils eine gewünschte Raumtemperatur. Miss nicht direkt am Heizkörper, am Fenster oder in der Sonne.
- Öffne in dem voraussichtlich ungünstigsten Raum das Thermostatventil weit. In anderen genutzten Räumen sollten Thermostate eine Wärmeanforderung nicht unnötig abwürgen.
- Prüfe vor der Regelungsänderung, ob Heizkörper gleichmäßig durchströmt werden. Gluckernde Heizkörper werden entlüftet; ein klemmendes Ventil oder offensichtlich fehlender Durchfluss muss behoben werden.
- Senke das Niveau der Heizkurve beziehungsweise den dafür vorgesehenen Heizparameter nur in einer kleinen Stufe. Welche Schrittweite zulässig ist, ergibt sich aus der Bedienungsanleitung der Regelung.
- Beobachte die Räume über mehrere normale Heizphasen. Für die Beurteilung der unteren Grenze ist eine kalte Witterungsphase aussagekräftiger als ein milder Nachmittag.
- Erreichen alle relevanten Räume ihre Solltemperatur, kann ein weiterer kleiner Schritt getestet werden. Bleibt der ungünstigste Raum trotz ausreichender Aufheizzeit zu kühl, gehe auf die letzte funktionierende Einstellung zurück.
Das Ergebnis ist belastbar, wenn nicht nur der zentrale Wohnraum, sondern auch die thermisch ungünstigen Zimmer warm genug werden und die Anlage keine ungewöhnlich langen Aufheizphasen benötigt. Ein einzelner milder Tag reicht für diese Bewertung nicht aus.
Störungen der Wärmeverteilung verfälschen den Test
Eine hohe Vorlauftemperatur kaschiert häufig, dass das Heizungswasser ungünstig verteilt wird. Nahe am Wärmeerzeuger gelegene Heizkörper werden dann sehr warm, während weiter entfernte Heizflächen zu wenig Durchfluss erhalten. Wer nur die Temperatur anhebt, behandelt in diesem Fall nicht die Ursache.
Ein hydraulischer Abgleich stimmt die erforderlichen Volumenströme auf Heizflächen und Rohrnetz ab. Dazu gehören mehr als willkürlich veränderte Ventilstellungen: Heizlasten, Heizkörperleistungen, Ventileinstellungen, Pumpenbetrieb und die vorhandene Anlagenhydraulik müssen zusammenpassen. Die fachgerechte Berechnung und Einstellung ist Aufgabe eines Heizungsbetriebs.
Für eine erste Beobachtung sind folgende Unterschiede hilfreich:
- Bleiben alle Räume ähnlich zu kühl, spricht das eher für eine insgesamt zu niedrige Heizkurve, zu kurze Heizzeiten oder eine unzureichende Anlagenleistung.
- Werden nur entfernte oder einzelne Heizkörper nicht ausreichend warm, sind Durchfluss, Ventilfunktion, Luft im Heizkörper und hydraulische Verteilung vorrangig.
- Ist der Heizkörper heiß, der Raum aber weiterhin kalt, kann seine Heizleistung für die Wärmeverluste des Raums zu klein sein.
- Schwankt der Komfort stark mit der Außentemperatur, ist eher die Form der Heizkurve als nur deren allgemeines Niveau zu prüfen.
Thermostatventile sind kein Ersatz für eine passende Heizkurve
Thermostatventile begrenzen die Raumtemperatur, indem sie den Durchfluss durch den Heizkörper reduzieren. Sie sollten eine zu hohe zentrale Einstellung jedoch nicht dauerhaft in fast allen Räumen ausgleichen müssen. Sind viele Ventile überwiegend geschlossen, während der Wärmeerzeuger unnötig heißes Wasser bereitstellt, arbeitet die Regelung nicht passend zum tatsächlichen Bedarf.
Für den Absenkversuch ist es trotzdem falsch, sämtliche Ventile dauerhaft maximal geöffnet zu lassen und anschließend überhitzte Räume hinzunehmen. Weit geöffnete Ventile dienen in den maßgeblichen Referenzräumen dazu, die erforderliche Systemtemperatur zu ermitteln. Räume mit geringerem Wärmebedarf können danach weiterhin über ihre Thermostatventile begrenzt werden.
Auch eine starke Nachtabsenkung kann die Bewertung verzerren. Kühlt ein wenig gedämmtes Gebäude weit aus, benötigt es am Morgen zeitweise eine höhere Heizleistung. Eine gleichmäßigere Betriebsweise mit moderater Absenkung kann bei niedrigeren Heizwassertemperaturen besser funktionieren. Ob das energetisch günstiger ist, hängt vom Gebäude, der Nutzung, dem Wärmeerzeuger und der Regelung ab.
Warmwasser und Raumheizung getrennt betrachten
Die Temperatur für die Raumheizung ist nicht mit der Trinkwarmwassertemperatur gleichzusetzen. Viele Anlagen laden einen Warmwasserspeicher zeitweise mit einer anderen Temperatur als der Heizkreis benötigt. Eine Änderung der Heizkurve darf nicht unbedacht auf die hygienisch erforderliche Warmwasserbereitung übertragen werden.
Bei kombinierten Regelungen muss deshalb klar sein, welcher Menüpunkt verändert wird. Einstellungen für Heizkreis, Speicherladung und gegebenenfalls einen gemischten zweiten Heizkreis erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Wenn die Zuordnung im Display oder in der Anleitung nicht eindeutig ist, sollte die Einstellung unverändert bleiben, bis ein Fachbetrieb sie erklärt hat.
Bauliche Maßnahmen verschieben die mögliche Untergrenze
Reicht die vorhandene Heizfläche nicht aus, gibt es mehrere Wege zu einer niedrigeren Systemtemperatur. Größere oder leistungsfähigere Heizkörper erhöhen die Wärmeabgabe bei gleicher Wassertemperatur. Gebläseunterstützte Heizkörper oder geeignete Niedertemperatur-Heizflächen können ebenfalls eine Option sein, benötigen aber eine passende Planung und teilweise einen elektrischen Anschluss.
Maßnahmen an der Gebäudehülle verringern die Heizlast und können dadurch niedrigere Vorlauftemperaturen ermöglichen. Welche Verbesserung sinnvoll ist, hängt vom Bauteilaufbau, vom Feuchteschutz und vom Zustand des Gebäudes ab. Eine Heizungsoptimierung ersetzt keine bauphysikalische Prüfung riskanter Dämmmaßnahmen.
Vor einem Wechsel auf eine Wärmepumpe ist ein Absenkversuch besonders aufschlussreich. Er zeigt, welche Räume bei niedrigeren Heizwassertemperaturen kritisch werden. Eine Auslegung darf sich jedoch nicht allein auf diesen Versuch stützen: Heizlastberechnung, Heizflächen, Rohrnetz, Volumenstrom, Warmwasserbedarf und elektrische Rahmenbedingungen müssen gemeinsam bewertet werden.
In diesen Fällen ist fachliche Prüfung wichtiger als weiteres Absenken
Ein Heizungsbetrieb sollte übernehmen, wenn der Wärmeerzeuger unbekannt ist, Mindesttemperaturen nicht geklärt sind oder die Anlage auffällig taktet, Störungen meldet oder einzelne Heizkreise nicht nachvollziehbar reagieren. Gleiches gilt bei notwendigen Änderungen an Pumpe, Mischer, Brenner, Gasinstallation oder elektrischen Anschlüssen.
Die sinnvolle Zielgröße ist nicht der niedrigste einstellbare Wert, sondern die niedrigste Einstellung, bei der das Gebäude unter maßgeblichen Wetterbedingungen zuverlässig warm wird. Wird diese Grenze durch einzelne unterversorgte Räume bestimmt, lohnt zuerst die Prüfung von Durchfluss und Heizfläche. Werden alle Räume gleichmäßig versorgt, kann die Heizkurve behutsam weiter optimiert werden. So bleibt der Komfort erhalten, während die Anlage nur die Temperatur bereitstellt, die sie tatsächlich benötigt.