Welche Art von Balkonüberdachung passt am besten zu einem Altbau?

Lesedauer: 15 Min
Aktualisiert: 24. Februar 2026 13:04

Für einen Altbau passt meist eine Balkonüberdachung, die optisch zurückhaltend ist, die Proportionen respektiert und sich konstruktiv sicher in die oft „eigenwillige“ Bausubstanz einfügt. In der Praxis sind schlanke Konstruktionen aus Stahl oder Aluminium mit klarem Glas, alternativ filigrane Holzkonstruktionen, oft die besten Allrounder. Entscheidend ist weniger das Material allein, sondern die Kombination aus Stil, Befestigungsmöglichkeiten, Entwässerung und Genehmigungsfähigkeit.

Warum Altbauten bei Balkonüberdachungen eigene Regeln haben

Ein Altbau verzeiht selten „irgendwas mit Dach“. Fassaden sind häufig reich gegliedert, Gesimse springen vor, Fensterachsen sollen stimmig bleiben und die Balkone selbst sind nicht immer normschön gerade. Dazu kommt: Hinter dem Putz steckt oft eine Mischung aus Ziegel, Naturstein, alten Mörteln, teils Hohlräumen oder nachträglichen Ausbesserungen. Was bei einem Neubau als Standardbefestigung durchgeht, kann im Altbau schnell zur Fehlplanung werden.

Wenn du dir die Frage stellst, welche Art von Balkonüberdachung passt am besten zu einem Altbau, dann geht es im Kern um drei Dinge: Erstens um die Optik (passt es zur Fassade?), zweitens um die Technik (hält es sicher und wird es dicht?) und drittens um das Rechtliche (darfst du es so überhaupt bauen?). Sobald du diese drei Ebenen sauber trennst, wird die Entscheidung deutlich einfacher.

Der wichtigste erste Schritt: Altbau-Realität prüfen, bevor du dich verliebst

Viele starten mit dem Wunschbild: „Glas, schwebend, kaum sichtbar.“ Oder: „Holz, warm, wie früher.“ Beides kann funktionieren, aber erst nachdem du zwei, drei Dinge geprüft hast. Wenn du hier sauber arbeitest, sparst du später sehr viel Ärger mit Undichtigkeiten, Schimmelstellen am Anschluss oder einer Überdachung, die optisch plötzlich „zu schwer“ wirkt.

Geh am Balkon einmal mit dem Blick eines Gutachters entlang:

  • Tragende Bereiche und mögliche Befestigungspunkte: Wo sind massive Wände, wo sind nur Verblendungen, wo verlaufen Regenfallrohre, Kabel oder Rollladenkästen?
  • Überstände und Fassadendetails: Gibt es Gesimse, Stuck, Klinkerfaschen, Vordächer oder Vorsprünge, die die Dachlinie beeinflussen?
  • Wetterseite und Wind: Ist es ein geschützter Innenhof oder die freie Wetterkante? Im Altbau sind Balkone oft exponiert, und Windlasten sind dann der eigentliche „Boss“ im Projekt.
  • Balkonplatte und Gefälle: Läuft Wasser sauber ab oder bleibt es stehen? Eine Überdachung hilft zwar gegen Regen von oben, aber nicht gegen aufsteigende Feuchte oder Pfützen.

Wenn du dabei merkst, dass die Fassade schwierig ist (bröseliger Putz, unklare Wandaufbauten, sichtbare Risse), dann ist die Priorität klar: Erst die Befestigungs- und Anschlusslösung planen, dann das Material auswählen. Optik lässt sich anpassen, Statik nicht.

Was „passt“ optisch zu einem Altbau – und warum filigran fast immer gewinnt

Altbauarchitektur lebt von Rhythmus und Details. Eine Balkonüberdachung sollte diese Ordnung nicht überdecken. „Passend“ heißt deshalb meist: schlanke Profile, klare Linien, möglichst wenig sichtbare Technik und eine Dachform, die die Fassade nicht zerschneidet.

Typische Stilbrüche entstehen, wenn:

  • die Überdachung zu dicke Träger hat und den Balkon „erschlägt“,
  • die Dachneigung unharmonisch gegen Fensterstürze oder Gesimse läuft,
  • die Stützen so stehen, dass sie Fensterachsen blockieren oder den Balkon optisch verkleinern,
  • die Farbwahl zur Fassade beißt (z. B. grelles Weiß auf Patina-Putz oder „irgendein Grau“, das mit dem Geländer kollidiert).

Wenn du unsicher bist, hilft eine einfache Daumenregel: In Altbauten wirkt ein Dach dann stimmig, wenn es eher wie ein „Schutzschirm“ wirkt und nicht wie ein angebautes Bauteil, das plötzlich das Hauptthema der Fassade ist.

Die gängigsten Arten von Balkonüberdachungen – mit Altbau-Brille bewertet

Es gibt nicht die eine perfekte Lösung. Aber es gibt Lösungen, die in Altbauten häufiger „durchrutschen“, weil sie technisch robust und optisch kompatibel sind. Hier die wichtigsten Typen mit ihren typischen Altbau-Stärken und Fallstricken.

1) Glasdach mit schlanker Metallkonstruktion (Aluminium oder Stahl)

Wenn du eine moderne, unaufdringliche Lösung willst, ist ein Glasdach auf schlanken Profilen oft der beste Kompromiss. Es lässt Licht in die Wohnung, nimmt dem Altbau nicht die Luft und wirkt je nach Farbton der Profile erstaunlich zurückhaltend.

Wann es besonders gut passt: Bei klassischen Putzfassaden, Klinkeraltbauten und überall dort, wo du die Architektur nicht verdecken willst. Auch bei dunklen Geländern (schwarz, anthrazit) wirken dunkle Profile „wie aus einem Guss“.

Worauf du achten solltest: Glas ist schwerer als viele erwarten, und die Windlasten greifen großflächig an. Außerdem entscheidet der Anschluss an die Fassade über alles: Eine falsche Abdichtung oder ungünstige Bohrpunkte können Wasser hinter den Putz bringen. Wenn du einen Altbau mit dekorativen Vorsprüngen hast, muss die Dachkante so geplant werden, dass Regen nicht hinter Gesimse gedrückt wird.

Glasart in der Praxis: Verbundsicherheitsglas ist üblich, weil es bei Bruch zusammenhält. Bei Altbau-Balkonen mit viel Wind lohnt sich außerdem ein Blick auf die Geräuschthematik: Regen auf Glas kann deutlich hörbar sein. Das ist nicht automatisch ein Problem, aber es ist ein typischer Überraschungsmoment.

2) Polycarbonat-Stegplatten auf Metall oder Holz

Stegplatten sind leichter, oft günstiger und verzeihen manche Details, weil sie konstruktiv „flexibler“ sind. Sie können in Altbauten funktionieren, wirken aber je nach Ausführung schneller nach „Terrasse im Baumarkt“. Das ist nicht böse gemeint, sondern ein echter Gestaltungsfaktor.

Wann es passt: Bei weniger repräsentativen Fassaden, Hinterhofseiten, schlichten Nachkriegsaltbauten oder wenn du primär Wetterschutz willst und das Budget eng ist. Wenn du eine saubere Profilführung und passende Farbwahl triffst, kann das Ergebnis sehr ordentlich aussehen.

Typische Altbau-Fallen: Stegplatten reagieren stärker auf Ausdehnung durch Wärme. Wenn die Konstruktion die Bewegung nicht zulässt, knackt es, es entstehen Spannungen oder Undichtigkeiten. Außerdem altern Stegplatten je nach Qualität und Lage (Südseite) sichtbar: Vergilbung oder matte Stellen sind dann das, was man im Altbau sofort sieht, weil die Fassade oft „ehrlich“ altern darf, Kunststoff aber schnell „müde“ wirkt.

3) Holzüberdachung (klassisch, warm, handwerklich)

Holz kann in Altbauten wunderschön sein, weil es sich in historische Materialwelten einfügt und nicht nach „aufgesetzt“ aussieht. Gerade bei Häusern mit Holzfenstern, sichtbaren Balken oder traditionellen Geländern kann eine Holzüberdachung die stimmigste Lösung sein.

Wann es besonders gut passt: Bei ländlichen Altbauten, Gründerzeit mit viel Handwerk-Charakter (je nach Stil), oder wenn du bewusst eine „Haus-zu-Haus“-Anmutung willst, statt einer technischen Glaslösung.

Worauf du achten solltest: Holz braucht konstruktiven Holzschutz: Tropfkanten, gute Hinterlüftung, keine Wasserfallen an Anschlussstellen. Im Altbau ist außerdem die Frage wichtig, wie die Holzbauteile an die Fassade angeschlossen werden, ohne Feuchte in alte Putzsysteme zu treiben. Wenn die Holzüberdachung zu massiv dimensioniert wird, wirkt sie schnell wie ein Wintergarten-Anfang und nimmt dem Balkon die Leichtigkeit.

4) Markise als „Überdachung light“ (oft die altbautauglichste Lösung)

Viele unterschätzen Markisen, weil sie „nur Stoff“ sind. In Altbauten sind sie aber häufig die eleganteste Lösung, weil sie die Fassade kaum verändert, bei Bedarf verschwindet und in vielen Fällen genehmigungsrechtlich einfacher ist.

Wann es passt: Wenn du hauptsächlich Sonne und leichten Regen abhalten willst, die Fassade nicht dauerhaft verbauen möchtest oder die Befestigungslage schwierig ist. Auch bei Mietwohnungen ist das oft der realistischste Weg, weil du Eingriffe in die Substanz minimierst.

Grenzen: Gegen Wind, Schlagregen und Winterwetter ist eine Markise keine echte Überdachung. Und: Die Befestigung ist im Altbau trotzdem kritisch, weil die Kräfte über Ausfallarme und Wind ruckartig eingeleitet werden. Genau hier passieren viele Schadensfälle, wenn „irgendwelche Dübel“ im alten Mauerwerk landen.

5) Freistehende Überdachung (auf Stützen, kaum Fassadenlast)

Wenn du die Fassade nicht belasten willst oder darfst, ist eine freistehende Konstruktion oft der technische Ausweg. Sie steht im Prinzip „vor“ dem Gebäude, nimmt Lasten über Stützen ab und benötigt an der Wand nur eine saubere Anbindung oder manchmal gar keine tragende Befestigung.

Wann es passt: Bei brüchiger Altbauwand, bei Wärmedämmverbundsystemen (wo Durchdringungen besonders heikel sind), oder wenn du einen Balkon im Erdgeschoss/auf einem Anbau hast und Stützen gut platzieren kannst.

Typische Hürde: Stützen brauchen Platz und ein Fundament oder eine sichere Verankerung. In Altbauhöfen stehen oft Kellerfenster, Lichtschächte oder Leitungen im Weg. Optisch können Stützen außerdem die Leichtigkeit nehmen, wenn sie zu nah an der Balkonfront stehen.

Welche Dachform wirkt am Altbau stimmig?

Die Form entscheidet oft stärker über die Wirkung als das Material. Im Altbau funktionieren meist klare, unaufgeregte Formen, die sich an vorhandenen Linien orientieren.

Pultdach (einseitig geneigt): Sehr häufig die beste Lösung, weil du Gefälle und Entwässerung sauber planen kannst. Es wirkt modern, kann aber durch filigrane Ausführung und passende Farbe sehr zurückhaltend sein.

Flachdach (minimal geneigt): Sieht „clean“ aus, aber Entwässerung und Dichtheit sind anspruchsvoller. Bei Altbauten mit unebenen Fassaden ist die Anschlussfuge besonders kritisch, weil kleine Wellen im Putz schnell zu Undichtigkeiten führen.

Giebeldach oder stark geneigte Formen: Das passt selten zu Balkonproportionen im Altbau und wirkt schnell wie ein Fremdkörper. Ausnahmen gibt es, etwa bei sehr traditionellen Häusern oder wenn andere Bauteile (Erker, Vordächer) ähnliche Formen vorgeben.

Materialwahl nach Situation: Wenn-dann-Logik für Altbauten

Hier wird es praktisch. Stell dir vier typische Altbau-Situationen vor. Je nachdem, was auf deinen Balkon zutrifft, ergeben sich sinnvolle Favoriten.

Wenn du maximal Licht in der Wohnung behalten willst, dann sind Glasdächer (klar oder leicht mattiert) in Kombination mit schlanken Profilen ideal. Stegplatten können auch funktionieren, wirken aber optisch meist präsenter und nehmen je nach Struktur mehr Licht.

Wenn die Fassade empfindlich ist oder du Bohrungen minimieren musst, dann ist eine freistehende Konstruktion oder eine Markise oft die bessere Wahl. Bei Glas- und Plattendächern steigt die Abhängigkeit von sauberer Wandbefestigung und Abdichtung deutlich.

Wenn dein Balkon stark windbelastet ist, dann ist eine Überdachung mit guter Aussteifung und einer klar geregelten Entwässerung wichtig. Glas kann hervorragend funktionieren, wenn die Statik stimmt. Markisen werden in windigen Lagen schnell zur nervigen „rein-raus“-Disziplin.

Wenn du einen sehr historischen Charakter erhalten willst, kann Holz am überzeugendsten wirken, sofern es filigran geplant und sauber geschützt ist. Metall/Glas kann ebenfalls passen, wenn du es bewusst neutral hältst und die Profile nicht zu dominant werden.

Entwässerung und Anschluss: Die Stellen, an denen Altbau-Projekte gewinnen oder scheitern

Viele denken bei der Balkonüberdachung an „oben trocken“. In der Praxis entscheidet aber, wohin das Wasser geht. Besonders im Altbau sind Wasserwege tückisch: Regen wird durch Wind gedrückt, läuft an Bauteilen entlang, findet Mikrorisse und taucht dann als feuchte Stelle innen neben dem Fenster auf. Das fühlt sich wie Magie an, ist aber meistens nur Physik plus schlechte Detailplanung.

Entwässerung sollte so geplant werden, dass Wasser kontrolliert abläuft und nicht an der Fassade entlang „abgeschmiert“ wird. Eine Dachrinne mit definierter Ableitung ist oft sinnvoller als „es tropft irgendwo ab“. Gleichzeitig muss die Ableitung so geführt werden, dass sie nicht direkt auf Gesimse oder Fensterbänke entlässt.

Wandanschluss ist im Altbau heikel, weil Putzsysteme, Fugen und Untergründe sehr unterschiedlich sein können. Wenn du hier nur auf eine „Dichtlippe“ hoffst, wirst du bei Schlagregen irgendwann eine Überraschung erleben. Entscheidend ist eine Anschlusslösung, die Bewegungen (Temperatur, Wind) mitmacht und Wasser nicht hinter die Oberfläche führt.

Typische Trugschlüsse bei Altbau-Balkonüberdachungen

Ein paar Denkfehler kommen so häufig vor, dass sie fast schon dazugehören. Wenn du sie früh erkennst, bist du vielen anderen einen Schritt voraus.

„Die Wand hält schon, das Haus steht ja seit 100 Jahren.“ Ja, das Gebäude steht. Das heißt aber nicht, dass jeder Bereich der Fassade für punktuelle Zug- und Querkräfte geeignet ist. Alte Mörtel, Hohlstellen oder nachträgliche Putzschichten sind nicht automatisch tragfähig.

„Wenn es dicht ist, ist alles gut.“ Dichtheit ist nicht nur eine Frage der Fuge am ersten Tag. Die Konstruktion arbeitet: Temperaturwechsel, Wind, Setzungen. Eine gute Lösung berücksichtigt diese Bewegungen, statt sie wegzudrücken.

„Stegplatten sind leicht, also unkritisch.“ Leicht heißt nicht kraftlos. Windlasten sind häufig entscheidend, und die werden über Rahmen, Schrauben und Wandanschlüsse eingeleitet. Außerdem darf die Ausdehnung nicht unterschätzt werden.

„Freistehend ist immer genehmigungsfrei.“ Das kann so sein, muss es aber nicht. In vielen Fällen zählt die Größe, die Lage, der Einfluss auf das Straßenbild oder Vorgaben der Eigentümergemeinschaft.

Eine sinnvolle Reihenfolge, die sich in der Praxis bewährt

Wenn du jetzt vor der Auswahl stehst, hilft eine kurze, handlungsorientierte Abfolge. Sie ist so aufgebaut, dass du erst die harten Rahmenbedingungen klärst und dann das Design entscheidest:

  • Umfeld klären: Miete oder Eigentum, ggf. Eigentümergemeinschaft, Denkmalschutz/Erhaltungssatzung, Hausordnung.
  • Befestigung prüfen: Wandaufbau grob einschätzen (Ziegel, Naturstein, gedämmte Fassade), potenzielle Befestigungspunkte festlegen, Stützen-Option mitdenken.
  • Wetterprofil definieren: Windseite, Schlagregen, Südausrichtung (Hitze), Laub/Schmutz (Bäume).
  • Optik und Form festlegen: Dachform, Profilfarbe passend zu Geländer/Fenster, Transparenzgrad (klar, matt, strukturiert).
  • Entwässerung planen: Rinne ja/nein, Ableitung wohin, Tropfkanten, Schutz der Fassade vor Wasserläufen.
  • Erst dann Angebote vergleichen: Nicht nur Preis, sondern Detailausführung von Anschluss, Rinne, Aussteifung und Befestigung.

Wenn du bei Schritt zwei hängenbleibst, ist das kein Rückschritt. Es ist der Moment, in dem viele Altbau-Projekte entweder solide werden oder später teuer nachgebessert werden müssen.

Praxisbeispiele aus dem Altbau-Alltag

Praxisbeispiel 1: Ein Gründerzeit-Mehrfamilienhaus mit Stuckfassade und schmalem Balkon zur Straßenseite. Eine filigrane Glasüberdachung mit dunklen Profilen wirkt wie eine feine Linie über dem Geländer, ohne die Fensterachsen zu schneiden. Entscheidend ist hier, dass der Wandanschluss so sitzt, dass Stuckdetails nicht beschädigt werden und Wasser nicht hinter Gesimskanten gedrückt wird.

Praxisbeispiel 2: Hinterhofbalkon an einem Altbau, der bereits eine nachträgliche Dämmung bekommen hat. Hier scheitern viele Projekte an Durchdringungen, weil Wärmebrücken und Undichtigkeiten drohen. Eine freistehende Überdachung mit Stützen, die ihre Lasten nach unten abträgt, ist oft die stressfreiere Lösung, auch wenn sie etwas „mehr“ im Hof steht.

Praxisbeispiel 3: Altbau mit Holzfenstern, dunklem Geländer und viel Südsonne. Eine Markise war zunächst geplant, wurde aber wegen Wind und häufiger Sommergewitter zum ständigen Ein- und Ausfahren. Eine leichte Holzüberdachung mit integrierter Entwässerung und heller, unaufdringlicher Deckung bringt Schatten, bleibt optisch warm und macht den Balkon bei Regen alltagstauglich.

Genehmigung, Denkmalschutz und Eigentümergemeinschaft: Was du früh klären solltest

Bei Altbauten sind die rechtlichen Rahmenbedingungen häufiger der Engpass als das Handwerk. Ob du eine Genehmigung brauchst, hängt stark von Bundesland, Größe, Ausführung und Lage ab. Zusätzlich können Gestaltungssatzungen, Denkmalschutzauflagen oder Regeln der Eigentümergemeinschaft eine Rolle spielen.

Wenn du in einer Wohnungseigentümergemeinschaft bist, ist eine Balkonüberdachung häufig kein „einfaches Upgrade“, weil die Außenfassade Gemeinschaftseigentum ist. Dann geht es um Beschlussfähigkeit, einheitliches Erscheinungsbild und manchmal um Standards, die alle einhalten sollen. Je früher du das ansprichst, desto weniger zäh wird es später.

Fragen & Antworten rund um Balkonüberdachungen am Altbau

Welche Art von Balkonüberdachung passt am besten zu einem Altbau, wenn die Fassade sehr dekorativ ist?

Meist funktionieren filigrane Lösungen am besten, etwa schlanke Metallprofile mit Glas oder eine zurückhaltende Markise. Je stärker die Fassade gegliedert ist, desto wichtiger ist es, dass die Überdachung optisch nicht die Hauptrolle übernimmt. Farbton und Linienführung sollten sich an Geländer und Fensterachsen orientieren.

Ist Glas am Altbau zu schwer oder riskant?

Glas ist nicht grundsätzlich problematisch, aber die Lasten und Windkräfte müssen sauber in die Konstruktion und die Befestigung abgetragen werden. Riskant wird es, wenn die Wandbeschaffenheit unklar ist oder Anschlüsse improvisiert werden. Bei guter Planung ist Glas eine der dauerhaftsten und optisch ruhigsten Lösungen.

Wann sind Stegplatten eine gute Idee?

Stegplatten sind sinnvoll, wenn du eine leichte, oft budgetfreundliche Überdachung willst und das Erscheinungsbild nicht extrem historisch wirken muss. Wichtig ist eine Konstruktion, die Wärmeausdehnung zulässt und die Platten nicht „klemmt“. Bei sehr sonnigen Lagen solltest du auf Alterung und Lichtdurchlass achten.

Passt eine Holzüberdachung wirklich zum Altbau oder wirkt das schnell nach Anbau?

Holz kann hervorragend passen, wenn es schlank dimensioniert ist und Details wie Tropfkanten und Hinterlüftung stimmen. Massige Querschnitte oder klobige Verkleidungen lassen es schneller nach nachträglichem Anbau aussehen. Eine stimmige Farb- und Materialabstimmung mit Fenstern und Geländer hilft enorm.

Reicht eine Markise als „Überdachung“ im Alltag?

Für Sonne und leichten Regen ja, für Schlagregen und windiges Wetter eher nicht. Eine Markise ist praktisch, weil sie verschwindet und das Altbau-Bild kaum verändert. Wenn du den Balkon bei jedem Wetter nutzen willst, ist eine feste Überdachung meist die entspanntere Lösung.

Wie verhindere ich, dass Regenwasser an der Fassade herunterläuft und Flecken macht?

Plane eine klare Tropfkante und idealerweise eine geregelte Entwässerung über Rinne und Ableitung. Wenn Wasser einfach an der Dachkante „irgendwo“ abtropft, läuft es bei Wind schnell an der Wand entlang. Gerade Altbauputz zeigt solche Wasserwege oft als Verfärbung oder Algenansatz.

Was kostet eine Balkonüberdachung am Altbau typischerweise?

Die Spanne ist groß, weil Statik, Befestigung und Anschlussdetails im Altbau den Aufwand stark beeinflussen. Einfache Lösungen starten oft im unteren vierstelligen Bereich, hochwertige Glas- oder Sonderkonstruktionen können deutlich darüber liegen. Plane zusätzlich einen Puffer für Detailarbeiten an Fassade und Entwässerung ein.

Wie lange dauert die Umsetzung von Planung bis Montage?

Wenn alles klar ist und keine besonderen Auflagen greifen, sind einige Wochen von Aufmaß bis Montage üblich. Bei Eigentümergemeinschaft, Denkmalschutz oder Sonderkonstruktionen kann es deutlich länger dauern. Am schnellsten geht es, wenn Befestigung, Entwässerung und Optik früh sauber entschieden sind.

Kann ich im Altbau einfach in den Putz dübeln?

Der Putz allein ist fast nie ein geeigneter tragender Untergrund. Tragfähig ist das Mauerwerk dahinter, und dessen Zustand kann sehr unterschiedlich sein. Eine fachgerechte Befestigung berücksichtigt Wandaufbau, Lasten und setzt auf passende Systeme und Abstände.

Welche Alternative gibt es, wenn Bohren in die Fassade nicht möglich ist?

Eine freistehende Überdachung mit Stützen ist oft die naheliegendste Alternative, weil sie Lasten nach unten abträgt. Je nach Balkon kann auch eine Konstruktion möglich sein, die überwiegend auf dem Balkon selbst gelagert wird, sofern die Tragfähigkeit stimmt. Manchmal ist auch eine Markise die pragmatischste Lösung, weil sie weniger Eingriff erfordert.

Fazit

Am Altbau passt eine Balkonüberdachung am besten, wenn sie filigran wirkt, technisch sauber angeschlossen ist und Wasser kontrolliert ableitet. In vielen Fällen sind schlanke Metall-Glas-Lösungen die stimmigste Mischung aus Licht, Eleganz und Haltbarkeit, während Holz ideal ist, wenn der historische Charakter betont werden soll. Entscheide erst nach Befestigung, Wetterprofil und Entwässerung – dann findest du eine Lösung, die nicht nur gut aussieht, sondern auch jahrelang ruhig ihren Job macht.

Checkliste
  • Tragende Bereiche und mögliche Befestigungspunkte: Wo sind massive Wände, wo sind nur Verblendungen, wo verlaufen Regenfallrohre, Kabel oder Rollladenkästen?
  • Überstände und Fassadendetails: Gibt es Gesimse, Stuck, Klinkerfaschen, Vordächer oder Vorsprünge, die die Dachlinie beeinflussen?
  • Wetterseite und Wind: Ist es ein geschützter Innenhof oder die freie Wetterkante? Im Altbau sind Balkone oft exponiert, und Windlasten sind dann der eigentliche „Boss“ im Projekt.
  • Balkonplatte und Gefälle: Läuft Wasser sauber ab oder bleibt es stehen? Eine Überdachung hilft zwar gegen Regen von oben, aber nicht gegen aufsteigende Feuchte oder Pfützen.

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