HEMS mit PV, Speicher und Wallbox – Prioritäten sinnvoll setzen

Lesedauer: 14 Min
Aktualisiert: 13. April 2026 15:45

Die Integration eines Heimenergiemanagementsystems (HEMS) mit Photovoltaik (PV), Speicher und Wallbox ist ein entscheidender Schritt zur Optimierung der Energienutzung im eigenen Heim. Dabei gilt es, die Prioritäten richtig zu setzen, um maximale Effizienz und Kostenersparnis zu erzielen.

Ein HEMS steuert den Energiefluss zwischen PV-Anlage, Speichern und elektrischen Verbrauchern, wie der Wallbox für Elektroautos. Wer die richtigen Prioritäten wählt, kann sein Eigenheim nachhaltig und kosteneffizient mit Energie versorgen.

Prioritäten setzen: Warum es entscheidend ist

Die richtige Prioritätensetzung hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zunächst sollten Sie Ihre Energieverbrauchsprofile genau analysieren. Überlegen Sie, wann der meiste Strom verbraucht wird und wie die Erzeugung der PV-Anlage synchronisiert werden kann. Eine Analyse der eigenen Bedürfnisse hilft, Entscheidungen zu treffen, die sowohl finanziell als auch ökologisch sinnvoll sind.

Integration der Photovoltaikanlage

Die PV-Anlage bildet das Herzstück eines HEMS. Ihre Effizienz hängt stark von der Sonnenstrahlung ab. Ein integratives HEMS sollte Ihre PV-Anlage so steuern, dass der erzeugte Strom optimal genutzt wird. Nutzen Sie Energiemanager, um überschüssigen Strom in den Speicher zu leiten oder direkt in das Elektrofahrzeug zu laden. Das Vermeiden von Netzeinspeisung kann Kosten sparen, während das Speichern von Überschüssen in Zeiten geringer Produktion für eine kontinuierliche Stromversorgung sorgt.

Die Rolle des Speichers

Ein energieeffizienter Speicher ist unerlässlich, um die überschüssige Energie aus der PV-Anlage abzupuffern und zu den Zeiten abzurufen, wann der Verbrauch höher ist als die Erzeugung. Priorisieren Sie den Einsatz des gespeicherten Stroms, um Lastspitzen abzufangen. Hier ist eine Kombination von Short-Time-Holding und Long-Time-Holding von Vorteil: Bei direkter Nutzung sollte der Kurzzeitspeicher vorgezogen werden, während der Langzeitspeicher eine Backup-Funktion erfüllt.

Wallbox optimal nutzen

Die Wallbox ist nicht nur ein Ort, um Ihr Elektrofahrzeug zu laden, sondern auch ein weiterer Schlüssel zu einem funktionierenden HEMS. Ein gut gewählter Ladevorgang sollte zeitlich so geplant werden, dass der Strompreis niedrig ist, und wenn möglich, aus der PV-Anlage gespeist wird. Dies geschieht idealerweise in Zeiten, wenn die Sonne scheint und die PV-Anlage viel Strom produziert. Hierbei ist eine intelligente Steuerung der Wallbox von Bedeutung, um optimalen Nutzen aus den vorhandenen Ressourcen zu ziehen.

Anleitung
1Bevorzugen Sie die Nutzung von selbstproduziertem Strom für den Haushaltsbedarf.
2Speichern Sie überschüssigen Strom für später, um Abhängigkeiten vom Stromnetz zu reduzieren.
3Setzen Sie Prioritäten für das Laden des E-Fahrzeugs in Zeiten hoher PV-Produktion.

Praktische Umsetzung der Energiezuteilung

Ein effektives HEMS setzt Prioritäten basierend auf Ihrem Energieverbrauch. Hier ein einfaches Modell:

  1. Bevorzugen Sie die Nutzung von selbstproduziertem Strom für den Haushaltsbedarf.
  2. Speichern Sie überschüssigen Strom für später, um Abhängigkeiten vom Stromnetz zu reduzieren.
  3. Setzen Sie Prioritäten für das Laden des E-Fahrzeugs in Zeiten hoher PV-Produktion.

Durch diese einfache Entscheidungsstruktur stellen Sie sicher, dass Ihr HEMS sowohl ökologisch wertvoll als auch ökonomisch sinnvoll arbeitet.

Typische Herausforderungen und Lösungen

Im Prozess der Implementierung eines HEMS können verschiedene Herausforderungen auftauchen. Es ist wichtig, Verständnis dafür zu entwickeln, welche Faktoren die Prioritäten beeinflussen könnten. Zum Beispiel kann eine hohe Abhängigkeit von externen Energiequellen nicht nur Kosten, sondern auch den ökologischen Fußabdruck erhöhen. Bei der Aufstellung Ihrer Prioritäten sollten auch diese Faktoren berücksichtigt werden. Wenn Sie regelmäßig überprüfen, wie und wo Ihre Energie verwendet wird, können Sie frühzeitig auf Veränderungen reagieren und Anpassungen vornehmen.

Fazit und Ausblick

Feineinstellungen im HEMS: Ladeprofile, Zeitfenster und Grenzwerte

Damit eine Anlage mit Photovoltaik, Batteriespeicher und Ladepunkt zuverlässig läuft, braucht das Energiemanagement System mehr als nur eine grobe Prioritätenreihenfolge. Im Alltag entscheidet die Detailkonfiguration, ob die Energieflüsse zu Ihrem Nutzungsverhalten passen. Dabei sollten Sie zuerst klären, welche festen Rahmenbedingungen gelten: Wann stehen Fahrzeuge typischerweise zuhause, wie hoch ist der tägliche Fahrbedarf, welche Verbraucher laufen zeitkritisch und welche lassen sich schieben. Aus diesen Eckpunkten leiten Sie anschließend feste Profile und Zeitfenster im System ab.

In vielen HEMS-Oberflächen lassen sich mehrere Betriebsarten für das Laden kombinieren. Sie vergeben zum Beispiel ein Profil für normale Tage, eines für lange Fahrten am nächsten Morgen und eines für rein solar geführtes Laden am Wochenende. Sinnvoll ist es, diesen Profilen eindeutige Namen zu geben, etwa nach Wochentag oder nach Nutzung des Fahrzeugs. Auf dieser Basis lassen sich im Menü für Zeitprogramme und Prioritäten Begrenzungen für Leistung und Energie pro Tag festlegen. Damit verhindern Sie, dass der Speicher nachts durch eine zu hohe Ladevorgabe leergezogen wird, nur um ein Elektroauto von 60 auf 80 Prozent anzuheben, obwohl dafür bereits am nächsten Vormittag genügend Solarleistung zur Verfügung steht.

Technisch hilft es, harte Grenzwerte für den Speicher zu definieren. Ein häufig genutzter Ansatz besteht darin, untere und obere Ladegrenzen getrennt für unterschiedliche Tageszeiten festzulegen. So kann der Akku tagsüber tief entladen werden, um möglichst viel Solarstrom aufzunehmen, während nachts ein Mindest-SOC geschützt bleibt. Im Menü für Batteriemanagement wählen Sie dazu in der Regel einen Nachtbereich, innerhalb dessen der Speicher nicht unter einen bestimmten Wert sinken darf. Parallel dazu begrenzen Sie im Bereich für Ladepunkt-Steuerung die maximale Netzleistung des Fahrzeugs, wenn der Speicher unter einer vorgegebenen Marke liegt. Das HEMS braucht dafür lediglich eine Kopplung zwischen SOC-Schwellenwert und Ladeleistung der Wallbox.

Für handwerklich orientierte Nutzer lohnt der Blick in die erweiterten Parameter, die oft hinter einem Expertenmodus verborgen sind. Dort finden sich Einstellmöglichkeiten für Verzögerungszeiten, Hysterese und Schaltpunkte, mit denen sich unerwünschtes Takten vermeiden lässt. Beispielsweise lässt sich eine minimale Einschaltdauer für Verbraucher vorgeben, damit Lasten nicht im Minutentakt ein- und ausgeschaltet werden. Ebenso kann die Abschaltung an eine leicht niedrigere Schwelle gebunden werden als das Einschalten, wodurch das System ruhiger läuft und Relaiskontakte geschont werden. Wer in der Verteilung selbst Hand anlegt, sollte diese elektrischen Komponenten ausreichend dimensionieren und stets auf einen passenden Überspannungs- und Kurzschlussschutz achten.

Ein weiterer Baustein sind Tarif- und Zeitinformationen. Einige Systeme können dynamische Strompreise oder zumindest Hoch- und Niedertarifzeiten berücksichtigen. In diesem Fall legen Sie für jede Tarifzone fest, ob Netzbezug überhaupt zugelassen ist, ob er nur für zeitkritische Verbraucher gestattet wird oder ob stets zuerst der Speicher helfen soll. Auch hier bewährt sich eine klare Trennung: Tagsüber Solar und Speicher, abends selektiver Netzbezug für wichtige Lasten, nachts möglichst wenig Verbrauch und keine unnötigen Nachladevorgänge. Im Menü für Tarife und Zeitpläne kombinieren Sie diese Vorgaben zu logischen Blöcken, die sich später einfach per Szenenumschaltung aktivieren lassen.

Zum Abschluss dieses Feintunings lohnt eine Testphase mit enger Beobachtung. In den ersten Tagen nach der Konfiguration prüfen Sie in der Visualisierung, wie häufig Ladepunkt, Speicher und übrige Lasten gegeneinander priorisiert werden. Fällt auf, dass die Wallbox oft kurz anläuft und wieder abschaltet, passen Sie die Schwellwerte oder die minimale Ladeleistung an. Stellt sich heraus, dass der Speicher am Morgen zu voll oder zu leer ist, verschieben Sie die Nachtgrenzen. Diese systematische Vorgehensweise führt zu einem vorhersehbaren Verhalten, das sich leicht nachvollziehen lässt und langfristig kaum Nacharbeit verlangt.

Hardware-Planung: Zähler, Messwandler und Leitungsführung richtig auslegen

Bevor die Steuerungslogik des Systems ihre Wirkung entfalten kann, muss die Mess- und Schalttechnik sauber aufgebaut sein. Viele Fehler in der Praxis entstehen, weil Zähler ungünstig platziert sind oder Ströme nicht vollständig erfasst werden. Grundlage ist eine durchdachte Anordnung im Zählerschrank und in den Unterverteilungen. Für ein sauberes Lastmanagement sollte das HEMS mindestens den Hausanschlusspunkt, die Photovoltaikanlage, den Speicher und die Wallbox messtechnisch getrennt sehen. Das gelingt mit Energiezählern oder Messwandlern pro Teilanlage sowie einem Summenzähler an der Schnittstelle zum Netz.

Im Vorfeld planen Sie, welche Leitungen über die durch das HEMS überwachten Stromkreise geführt werden. Insbesondere der Ladepunkt benötigt meist eine eigene Zuleitung mit ausreichendem Querschnitt, abgesichert entsprechend der maximalen Ladeleistung. In der Praxis heißt das: Sie ziehen die Zuleitung der Wallbox direkt vom Verteiler, in dem auch der zugehörige Messpunkt sitzt. So kann das System die Ladeleistung exakt regeln, statt nur den Gesamtverbrauch des Hauses zu sehen. Beim Einbau von Stromwandlern achten Sie darauf, dass die Phasenrichtung stimmt und die Zuordnung zu den Messkanälen im HEMS korrekt dokumentiert ist. Schon eine vertauschte Phase verfälscht die Bilanz erheblich und erschwert später die Fehlersuche.

Je nach Systemarchitektur kommen potentialfreie Kontakte, Schütze oder Modbus-fähige Messgeräte zum Einsatz. Für Handwerker ist wichtig zu wissen, welche Schnittstelle das gewählte HEMS bevorzugt. Viele moderne Komponenten lassen sich über Feldbusse verknüpfen, was die Zahl der Leitungen reduziert, aber einen sauberen Aufbau des Bussystems erfordert. Dazu gehören eine strukturierte Verdrahtung, saubere Klemmleisten und eine eindeutige Beschriftung. Wer mit Hutschienen-Geräten arbeitet, sollte für ausreichend Platz im Verteiler sorgen, um später Erweiterungen wie weitere Wandler oder Zusatzrelais aufnehmen zu können.

Die Leitungsführung zur Wallbox ist ein weiterer Punkt, an dem sich Weichen für die Zukunft stellen lassen. Eine großzügig dimensionierte Zuleitung erlaubt spätere Leistungssteigerungen, etwa von 11 auf 22 Kilowatt, sofern der Netzanschluss und die Anmeldung beim Versorger dies zulassen. Außerdem lässt sich bei der Verlegung ein zusätzliches Datenkabel vorsehen, über das sich spätere Funktionen wie Lastabwurf, Freigabekontakte oder Direktanbindung an das HEMS realisieren lassen. Beim Durchdringen von Außenwänden, beim Weg durch die Garage oder entlang der Fassade achten Sie auf mechanischen Schutz, UV-Beständigkeit und eine fachgerechte Abdichtung, damit weder Feuchtigkeit noch mechanische Belastungen den Aufbau beeinträchtigen.

Im Bereich der Photovoltaikanlage spielt neben dem DC-Strang die AC-Seite eine entscheidende Rolle. Der Wechselrichter sollte möglichst nah an die Stelle rücken, an der das HEMS die Einspeisung misst. Kurze Leitungswege verringern Verluste und reduzieren die Anzahl der notwendigen Schaltgeräte. Häufig lassen sich hier kombinierte Geräte einsetzen, die Messung, Schalten und Kommunikation in einem Gehäuse vereinen. Wichtig ist, dass im Schaltplan klar erkennbar bleibt, wie sich einzelne Stromkreise voneinander trennen lassen, um gefahrlos Wartungs- oder Erweiterungsarbeiten durchzuführen.

Damit das Energiemanagement System später sicher und normgerecht arbeitet, müssen alle Schutzorgane korrekt aufeinander abgestimmt werden. Dazu gehören Leitungsschutzschalter, Fehlerstromschutzschalter, Überspannungsableiter und gegebenenfalls selektive Hauptschutzgeräte. Gerade bei der Kombination aus Photovoltaik, Speicher und Ladestation können mehrere Einspeisepunkte zusammenkommen, die bei Kurzschluss oder Fehlerstrom sauber voneinander getrennt werden müssen. Daher lohnt eine enge Abstimmung mit dem Elektrofachbetrieb, der die Anlage abnimmt und in Betrieb setzt. Eine gute Dokumentation mit Schaltplan, Stromlaufplan und Beschriftung der Komponenten spart später Zeit, wenn Anpassungen an der Steuerung oder Erweiterungen anstehen.

Dynamische Strategien für verschiedene Jahreszeiten

Eine statische Einstellung des Energiemanagements bildet den Alltag nur teilweise ab, weil sich die Verhältnisse zwischen Erzeugung und Verbrauch im Jahresverlauf stark verändern. Während im Sommer meist reichlich Solarstrom zur Verfügung steht, ist im Winter die Bilanz deutlich enger. Statt das System vollständig neu zu konfigurieren, lässt sich mit saisonalen Strategien arbeiten, die im HEMS als Szenen oder Profile hinterlegt werden. Sie definieren zum Beispiel ein Sommerprofil mit hoher Priorität für Eigenverbrauch und Solarüberschussladen des Fahrzeugs und ein Winterprofil mit stärkerem Fokus auf Netzunterstützung und Mindestladung des Speichers.

Im sonnigen Halbjahr kann es sinnvoll sein, die Grenze, ab der der Speicher geladen wird, etwas zu erhöhen. So verschiebt das System mehr Solarenergie in den Tagesverlauf, bevor größere Lasten hinzugeschaltet werden. In vielen Menüs lässt sich die Reihenfolge anpassen, in der der Energiefluss abgearbeitet wird: Zuerst Hauslast decken, dann Speicher laden, anschließend Ladestation versorgen oder bestimmte flexible Verbraucher starten. Wer tagsüber nicht zuhause ist, verlagert im Sommer möglichst viele verschiebbare Lasten in die Mittagsstunden. Das gelingt über Zeitprogramme für Waschmaschine, Trockner, Geschirrspüler oder Wärmepumpe, die sich aus der Visualisierung des HEMS starten lassen.

In der dunklen Jahreszeit empfiehlt sich eine andere Gewichtung. Hier lohnt eine konservativere Steuerung des Speichers, der vor allem die Abend- und Morgenstunden stützen soll, während mittags möglicherweise nur kurze Sonnenfenster auftreten. Die Ladegrenze des Akkus wird so gesetzt, dass ein bestimmter Grundpuffer nahezu immer vorhanden bleibt. Das HEMS darf das Elektroauto in dieser Phase gern etwas häufiger aus dem Netz versorgen, insbesondere wenn eine längere Fahrt ansteht. Entscheidend ist, dass die Wallbox im Winterprofil nicht ungebremst Netzstrom zieht, während der Speicher gleichzeitig heruntergeregelt wird. Diese Konstellation vermeiden Sie, indem Sie im Ladeprofil des Fahrzeugs Mindest-SOC-Werte des Speichers als Bedingung für hohe Ladeleistungen hinterlegen.

Einige Steuerungen bieten die Möglichkeit, Profile automatisch anhand des Kalenderdatums oder der Tageslänge zu wechseln. Alternativ lässt sich ein manueller Umschaltpunkt setzen, etwa im Frühjahr und im Herbst. In der Bedienoberfläche wählen Sie dann mit einem Klick die Jahreszeitszene, die hinterlegte Einstellungen für Schwellwerte, Zeitfenster und Ladebegrenzungen aktiviert. Handwerklich betrachtet ist das eine robuste Lösung, weil sich an der Hardware nichts ändert und der Eingriff ausschließlich in der Konfiguration erfolgt. Das minimiert Störungen und erhält die Übersichtlichkeit im Schaltbild.

Für ein möglichst ausgewogenes Verhältnis zwischen Eigenverbrauchsquote und Netzbezug lohnt es sich, die Anlagendaten einmal pro Saison genauer auszuwerten. Fast jedes Energiemanagement System stellt Exportfunktionen bereit, mit denen sich Erzeugung, Verbrauch, Ladeverhalten des Fahrzeugs und Speicherkurven auf Monats- oder Tagesbasis darstellen lassen. Anhand dieser Auswertung erkennen Sie, ob die gewählte Strategie zum Nutzungsverhalten passt oder ob bestimmte Verbraucher anders priorisiert werden sollten. Mit etwas Erfahrung entwickelt sich daraus eine wiederkehrende Routine: Saisonwechsel prüfen, Profile anpassen, Testphase beobachten und die Änderungen dokumentieren.

Automatisierungen und Sonderfälle gezielt abbilden

Im realen Betrieb treten immer wieder Situationen auf, die von der üblichen Tagesroutine abweichen. Dazu gehören längere Reisen mit leerem Akku des Fahrzeugs, unerwartete hohe Verbräuche in der Werkstatt oder Wartungsarbeiten an der Anlage. Damit das System in solchen Fällen sauber reagiert, lohnt es sich, Automatisierungen und Szenen für Sonderfälle anzulegen. Viele HEMS-Plattformen erlauben If-This-Then-That-Logiken oder vergleichbare Regelwerke, in denen Bedingungen und Aktionen verknüpft werden. Damit können Sie komplexe Situationen modellieren, ohne jedes Mal manuell eingreifen zu müssen.

Eine typische Anwendung ist die Vorbereitung auf eine größere Fahrt. Steht am nächsten Tag eine längere Strecke an, soll das Elektroauto am Morgen einen definierten Ladezustand erreichen, unabhängig von

Häufige Fragen zu HEMS, PV, Speicher und Wallbox

Wie finde ich die passende Prioritätenreihenfolge für mein HEMS?

Zuerst legst du fest, welche Verbraucher absolut versorgt werden sollen, etwa Kühlgeräte, Heizung oder Servertechnik. Danach ordnest du in der HEMS-Oberfläche die übrigen Verbraucher, also Speicherladung, Wallbox und Komfortverbraucher, in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit und prüfst das Verhalten an sonnigen und bewölkten Tagen.

Welche Einstellungen im HEMS sind für die Wallbox besonders wichtig?

Entscheidend sind die Optionen für PV-Überschussladen, Mindestladestrom und Zeitpläne, die du meist im Menü für Lastmanagement oder E-Mobilität findest. Zusätzlich solltest du Grenzwerte für die maximale Ladeleistung sowie eventuell Sperrzeiten des Netzbetreibers im HEMS hinterlegen, damit die Wallbox sicher und netzdienlich arbeitet.

Wie verhindere ich, dass der Speicher ständig zwischen Laden und Entladen pendelt?

Du stellst dazu im HEMS oder im Batteriewechselrichter eine Mindestladeleistung und sinnvolle Schaltschwellen ein, etwa in Prozent der Speicherkapazität oder in Watt. Außerdem hilft eine kleine zeitliche Verzögerung für Schaltvorgänge, damit das System nicht auf jede kurzfristige PV-Schwankung sofort reagiert.

Wie stelle ich sicher, dass das Auto morgens zuverlässig geladen ist?

Im HEMS oder in der Wallbox-App wählst du eine Abfahrtszeit und den gewünschten Ladezustand, zum Beispiel 80 Prozent bis 7 Uhr. Das System nutzt dann vorrangig PV-Überschuss und schaltet bei Bedarf rechtzeitig Netzstrom zu, damit der Zielwert sicher erreicht wird.

Welche Rolle spielt der Netzbezug in der Prioritätenlogik?

Netzstrom dient im optimal eingerichteten System als Reserve, wenn PV-Leistung und Speicher nicht ausreichen oder bestimmte Mindestladungen garantiert werden sollen. Über Leistungsgrenzen und Kostenprofile im HEMS kannst du festlegen, ab welcher Situation der Netzbezug zugelassen oder begrenzt wird.

Wie integriere ich Wärmepumpe oder Heizstab in die Steuerung?

Viele HEMS bieten eigene Profile für Wärmepumpen, bei denen du Heizzeiten, Mindesttemperaturen und Freigaben über PV-Überschuss kombinierst. Du bindest die Wärmepumpe über Modbus, SG-Ready-Kontakte oder proprietäre Schnittstellen an und legst im Lastmanagement Prioritäten zwischen Wärmeversorgung, Speicherladung und Fahrzeugladung fest.

Welche Messpunkte sind für eine saubere Regelung unverzichtbar?

Unbedingt erforderlich ist ein Zweirichtungszähler am Netzverknüpfungspunkt, der Einspeisung und Bezug misst und dem HEMS als Grundlage dient. Zusätzlich sorgen Messungen an Speicher, Wallbox und gegebenenfalls an großen Verbrauchern wie Wärmepumpen dafür, dass die Regelung präzise arbeiten kann.

Wie gehe ich beim Einrichten des HEMS Schritt für Schritt vor?

Zuerst bringst du alle Geräte ins System, also Wechselrichter, Speicher, Wallbox und gegebenenfalls Wärmeerzeuger, und prüfst die Kommunikation. Anschließend definierst du Zielgrößen wie Eigenverbrauchsanteil, Ladezeiten und Komfortanforderungen und hinterlegst dazu im HEMS Prioritäten, Schwellenwerte und Zeitprogramme.

Was mache ich, wenn das HEMS nicht so regelt, wie ich es erwartet habe?

Du schaust dir Lastkurven, Ereignisprotokolle und die aktuellen Schaltbedingungen im HEMS an und vergleichst sie mit deinen Regeln. Oft reicht es, Grenzwerte anzupassen, Mindestzeiten zu verlängern oder widersprüchliche Vorgaben in Zeitplänen und Prioritätslisten zu bereinigen.

Wie kann ich mein System später anpassen, wenn sich mein Verbrauchsverhalten ändert?

Die meisten HEMS-Lösungen bieten saisonale Profile oder wählbare Szenarien, die du je nach Lebenssituation anpasst, etwa bei neuem Elektroauto oder zusätzlicher Wärmepumpe. Du passt dann einzelne Regeln wie Ladezeiten, Prioritäten und Leistungsgrenzen an und beobachtest einige Tage lang, ob das System dein neues Nutzungsverhalten sinnvoll abbildet.

Worauf sollte ich aus handwerklicher Sicht bei der Installation achten?

Messwandler müssen richtig herum montiert und eindeutig beschriftet werden, damit Einspeisung und Bezug korrekt erfasst werden. Außerdem ist eine saubere Trennung und Kennzeichnung der Leitungen für Wallbox, Speicher und große Verbraucher wichtig, damit spätere Anpassungen im Verteilerfeld schnell und sicher möglich sind.

Fazit

Ein gut abgestimmtes Zusammenspiel von Photovoltaik, Speicher und Wallbox entsteht nur, wenn Messung, Kommunikation und Prioritäten sauber geplant sind. Mit klaren Zielwerten, sinnvoll gewählten Leistungs- und Zeitvorgaben sowie einer sorgfältigen Verdrahtung erreichst du eine stabile und wirtschaftliche Anlage. Wer das HEMS als zentrales Werkzeug versteht und regelmäßig die Einstellungen prüft, holt langfristig das Maximum aus der eigenen Energieanlage heraus.

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