E-Auto als Hausspeicher nutzen – wann die Idee praktikabel wird

Lesedauer: 14 Min
Aktualisiert: 6. April 2026 21:42

Das Konzept, ein Elektroauto als Hausspeicher zu nutzen, gewinnt an Bedeutung. Mit der zunehmenden Verbreitung von E-Autos und der wachsenden Notwendigkeit für nachhaltige Energien, stellt sich die Frage, wann und wie es sinnvoll ist, ein E-Auto in die heimische Energieversorgung zu integrieren. In vielen Fällen kann dies nicht nur helfen, Kosten zu sparen, sondern auch den eigenen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.

Grundlagen des Systems

Um ein E-Auto als Hausspeicher zu verwenden, wird meist eine bidirektionale Ladestation benötigt. Diese Ladestationen ermöglichen es, Energie entweder in das Fahrzeug zu laden oder aus dem Fahrzeug zurück ins Haus zu speisen. Solch ein System kann besonders sinnvoll sein, wenn die PV-Anlage (Photovoltaikanlage) mehr Energie produziert, als das Haus benötigt.

Wann wird die Idee praktikabel?

Die Nutzung eines E-Autos als Hausspeicher wird dann praktikabel, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu zählen:

  • Verfügbarkeit einer Photovoltaikanlage: Durch die Kombination eines E-Autos mit einer PV-Anlage lässt sich die selbsterzeugte Energie optimal nutzen.
  • Hoher Eigenverbrauch: Je mehr Strom aus der eigenen PV-Anlage verwendet wird, desto größer ist der Nutzen, den ein E-Auto als Speicher bieten kann.
  • Geeignete Ladetechnologie: Bidirektionale Ladesysteme sind Voraussetzung für die Energierückspeisung und machen das System unkompliziert nutzbar.

Praxisbeispiel zur Nutzung

Integration in den Alltag

Nehmen wir an, Familie Müller hat ein Elektroauto und eine PV-Anlage zu Hause installiert. An sonnigen Tagen erzeugt die PV-Anlage mehr Strom, als die Familie benötigt. Die überschüssige Energie wird in die E-Auto-Batterie gespeist. Wenn der Abend kommt und der Strombedarf zunimmt, kann die Familie den Strom aus dem Auto nutzen, anstatt den teureren Netzstrom zu beziehen.

Anleitung
1Informieren Sie sich über die verschiedenen verfügbaren bidirektionalen Ladetechnologien und deren Eignung für Ihr Fahrzeug.
2Planen Sie den Einsatz Ihrer PV-Anlage, um maximalen Eigenverbrauch zu erzielen.
3Beobachten Sie den Energieverbrauch Ihres Haushalts, um die besten Zeiten für das Laden und die Nutzung des E-Autos zu identifizieren.

Optimierung des Energiemanagements

Familie Schmidt nutzt ein Smart-Home-System, das die Ladezeiten des E-Autos optimiert. In Zeiten, in denen die Sonnenstrahlung hoch ist, lädt das Auto, während es tagsüber an der Station angeschlossen ist. Abends wird die gespeicherte Energie dann genutzt, um den Haushalt mit Strom zu versorgen. Dadurch sparen sie nicht nur Kosten, sondern tragen auch aktiv zur Reduzierung ihres CO2-Ausstoßes bei.

Mögliche Herausforderungen

Trotz der Vorteile gibt es auch Herausforderungen. Eine der größten Hürden ist die Abhängigkeit von der Ladetechnologie und den damit verbundenen Kosten. Auch sollten Nutzer sicherstellen, dass die Batterie des E-Autos in gutem Zustand ist, um als Speicher effektiv genutzt werden zu können. Langfristige Überlegungen zu Batterielebensdauer und -degradation sind ebenfalls wichtig, um eine nachhaltige Nutzung sicherzustellen.

Entwicklungstipps für die Umsetzung

Wenn Sie darüber nachdenken, Ihr E-Auto als Hausspeicher zu nutzen, sind hier einige Maßnahmen, die Sie in Betracht ziehen können:

  1. Informieren Sie sich über die verschiedenen verfügbaren bidirektionalen Ladetechnologien und deren Eignung für Ihr Fahrzeug.
  2. Planen Sie den Einsatz Ihrer PV-Anlage, um maximalen Eigenverbrauch zu erzielen.
  3. Beobachten Sie den Energieverbrauch Ihres Haushalts, um die besten Zeiten für das Laden und die Nutzung des E-Autos zu identifizieren.

Planung der elektrischen Infrastruktur im Gebäude

Bevor ein Fahrzeug als flexible Energiequelle arbeiten kann, braucht die Hausinstallation eine klare Struktur. Zentrale Stelle ist in den meisten Fällen der Zählerschrank mit dem Hausanschluss und dem vorhandenen oder geplanten Batteriespeicher. Dort treffen sich Netzanschluss, PV, stationäre Speicher, Wallbox und mögliche Notstrompfade. Wer selbst baut oder umbaut, sollte früh festlegen, an welcher Stelle die Energie zwischen Fahrzeug, Haustechnik und Netz verschaltet wird. Diese Entscheidung beeinflusst Kabelwege, Querschnitte und die spätere Zugänglichkeit für Wartung.

Praktisch hat sich ein Aufbau mit einem zentralen Energiemanagementpunkt bewährt, der sich meist im Technikraum oder in der Nähe des Zählerschranks befindet. Von dort aus werden Wallbox, PV-Wechselrichter, Batteriespeicher und gegebenenfalls Notstrom- oder Ersatzstromverteiler sternförmig angebunden. In Bestandsbauten bietet sich oft ein zusätzlicher Unterverteiler an, um Leitungswege kurz zu halten und nicht das halbe Haus aufstemmen zu müssen. Bei jedem Leitungsweg zu Ladepunkten oder Zusatzverteilern lohnt es sich, Leerrohre mit ausreichender Reserve vorzusehen, um spätere Leistungsanpassungen zu ermöglichen, ohne erneut Wände zu öffnen.

Für die Verwendung der Fahrzeugbatterie zur Versorgung des Hauses wird ein bidirektionales Ladesystem benötigt, das sowohl Energie in das Fahrzeug als auch aus dem Fahrzeug zur Hausinstallation führen kann. Bei Planung oder Umrüstung sollten die zulässigen Ströme und Leistungen der Hausanschlusssicherung, der Hauptleitung und der Unterverteilungen sauber berechnet werden. Ein E-Auto kann kurzzeitig hohe Leistungen bereitstellen; die interne Verteilung darf dadurch nicht überlastet werden. Gleichzeitig müssen Schaltgeräte und Schutzorgane so ausgewählt werden, dass sie auch bei Rückspeisung aus dem Fahrzeug zuverlässig auslösen und selektiv bleiben.

Eine häufig gewählte Struktur umfasst folgende Elemente:

  • Zählerschrank mit direktem Netzanschluss und geeichten Zählern.
  • Hauptverteilung mit Sammelschienen, Überspannungsschutz und Einspeiseklemmen.
  • PV-Wechselrichter mit separatem Leitungsschutz und Fehlerstromschutzgerät.
  • Stationärer Batteriespeicher mit eigenem Einspeisepunkt und Energiemanagementschnittstelle.
  • Bidirektionale Wallbox mit eigenem Stromkreis, Lastmanagement und Kommunikationsleitung.
  • Optionaler Ersatzstrom- oder Notstromverteiler mit manueller oder automatischer Umschaltung.

Wer die Verteilung selbst baut oder anpasst, sollte die Leitungsquerschnitte groß genug wählen, um auch bei späteren Leistungssteigerungen und Temperaturschwankungen im Installationsraum im sicheren Bereich zu bleiben. Besonders bei langen Strecken in Garage oder Carport sind Spannungsfall und mögliche Nachrüstungen entscheidend. Ein paar Millimeter mehr Kupfer kosten im Bau wenig, erleichtern aber jede spätere Anpassung der Ladeleistung deutlich.

Bidirektionale Wallbox und Systeme sicher auswählen

Die Auswahl der richtigen Lade- und Einspeisetechnik bestimmt, wie zuverlässig das Fahrzeug mit dem Haus zusammenarbeitet. Nicht jede Wallbox kann Energie aus der Traktionsbatterie zurück in das Gebäude leiten. Wer die Option einer Rückspeisung nutzen möchte, benötigt entweder ein DC-basiertes System mit CHAdeMO oder CCS-Anbindung oder ein AC-basiertes System, bei dem der Onboard-Lader im Fahrzeug die Umwandlung übernimmt. In Europa setzt sich zunehmend die Variante mit CCS und standardisierten Kommunikationsprotokollen durch, was langfristig mehr Fahrzeugmodelle und herstellerübergreifende Lösungen erwarten lässt.

Bei der Auswahl sollte nicht nur auf die maximale Ladeleistung geachtet werden. Wichtiger ist, wie fein sich die Leistung regeln lässt und ob das Energiemanagement des Hauses die Wallbox ansteuern kann. Eine gute Lösung erlaubt stufenlose oder zumindest kleinstufige Leistungsanpassungen, damit bei wechselnder PV-Leistung oder schwankendem Hausverbrauch keine unnötigen Schaltspiele entstehen. Außerdem muss die Box in der Lage sein, auf Commands des Lastmanagements sofort zu reagieren, ohne den Ladevorgang ständig abzubrechen und neu zu starten.

Für den Einsatz als flexibler Speicher lohnt ein genauer Blick auf verfügbare Schnittstellen. Ideal sind Systeme, die offene Protokolle wie Modbus TCP, MQTT oder mindestens eine dokumentierte REST-API anbieten. Viele moderne Energiemanagementsysteme und Smart-Home-Zentralen verstehen diese Protokolle und können so Ladestrom, Rückspeiseleistung und Prioritäten direkt steuern. Wer eigene Steuerungslogik bauen möchte, kann diese Schnittstellen mit Programmen wie Node-RED, Home Assistant oder einer eigenen SPS-Anwendung verbinden.

Spätestens bei der Konfiguration zeigt sich, ob die Hardwareauswahl durchdacht war. Hilfreich sind Einstellungen für:

  • Mindestladezustand der Traktionsbatterie, unter dem nie ins Haus entladen wird.
  • Maximale Einspeiseleistung ins Hausnetz oder ins öffentliche Netz.
  • Prioritäten für Fahrbereitschaft, Eigenverbrauch und Netzunterstützung.
  • Zeitscheiben für verschiedene Betriebsarten wie reines Laden, Laden plus begrenzte Rückspeisung oder vollständige Netzentkopplung bei Störungen.
  • Sperrzeiten, in denen das Fahrzeug grundsätzlich nicht als Energiequelle dienen soll, etwa für geplante Fahrten am frühen Morgen.

Beim Einrichten des Systems empfiehlt sich ein schrittweises Vorgehen. Im ersten Schritt wird die Wallbox nur als normale Ladeeinrichtung genutzt. Nach erfolgreicher Inbetriebnahme ohne Fehlermeldungen folgt die Aktivierung der bidirektionalen Funktionen mit stark begrenzter Leistung. So lassen sich Messwerte, Schaltverhalten und mögliche Wechselwirkungen mit anderen Komponenten wie PV-Wechselrichter und stationärem Speicher beobachten. Erst wenn die Abläufe stabil laufen, sollte die volle Einspeiseleistung freigeschaltet werden.

Schrittweise Inbetriebnahme und Messkonzept

Ein durchdachtes Messkonzept ist entscheidend, damit das Energiemanagement jederzeit weiß, wohin Strom fließt und wo Reserven vorhanden sind. In vielen Projekten werden anfangs zu wenige oder ungünstig platzierte Messpunkte installiert, was spätere Optimierungen deutlich erschwert. Für ein Zusammenspiel von Fahrzeug, PV und Haushalt sind mindestens Messstellen am Netzanschlusspunkt, am PV-Strang, am stationären Speicher und an der Wallbox empfehlenswert. Häufig werden dafür Summenstromwandler oder Energiezähler mit Kommunikationsschnittstelle genutzt.

Die Messwerte müssen anschließend in der Steuerzentrale zusammenlaufen. Diese kann in einem fertigen Energiemanagementgerät stecken oder aus einer Kombination aus Industrie-PC, SPS oder Smart-Home-Zentrale bestehen. Wichtig ist, dass sie auch bei Netzausfall oder kurzfristigen Spannungseinbrüchen weiterarbeitet, sonst funktioniert der Ersatzstrombetrieb nicht zuverlässig. In vielen Fällen reicht eine kleine unterbrechungsfreie Stromversorgung, die Steuerung, Router und relevante Sensorik für mehrere Stunden versorgt.

Ein bewährtes Vorgehen für die Inbetriebnahme sieht so aus:

  1. Prüfen, ob alle Messgeräte und Zähler korrekt angeschlossen, adressiert und im System sichtbar sind.
  2. Netzbezug, PV-Erzeugung und Hauslast gemeinsam beobachten und mit den am Zählerschrank angezeigten Werten abgleichen.
  3. Wallbox ohne Rückspeisefunktion anlernen und als normale Last im System darstellen.
  4. Energiemanagement so einstellen, dass PV-Überschuss schrittweise zum Laden des Fahrzeugs genutzt wird.
  5. Erst nach stabiler Laufzeit Rückspeisefunktionen aktivieren und mit sehr niedriger Leistung testen.
  6. Verhalten in verschiedenen Situationen prüfen, etwa bei plötzlichem Lastanstieg im Haus, bei Wolkendurchzug und bei Netzschwankungen.

Während der Testphase lohnt es sich, strukturierte Protokolle zu führen. Notiert werden sollten Datum, Uhrzeit, Wetterlage, typische Hauslast und beobachtete Reaktionen des Systems. Wer mit einer frei programmierbaren Steuerung arbeitet, kann die Daten direkt in einer Datenbank sammeln und in einfachen Diagrammen darstellen. So lässt sich schnell erkennen, ob Schaltvorgänge harmonisch ablaufen oder ob die Regelung noch nachjustiert werden muss, beispielsweise durch geänderte Hysterese, Mittelungszeiten oder Mindestlaufzeiten.

Für einen stabilen Betrieb ist es sinnvoll, Mindestlade- und Mindestentladezeiten zu definieren, damit das Energiemanagement nicht bei jeder kurzen Wolke oder jedem schnell geschalteten Verbraucher im Haus sofort Gegenmaßnahmen einleitet. Stattdessen werden Laständerungen über wenige Sekunden gemittelt, bevor eine Anpassung der Lade- oder Entladeleistung ausgelöst wird. Damit erhöht sich die Lebensdauer der Relais, Schütze und Leistungselektronik deutlich und die Bedieneroberfläche wirkt ruhiger.

Notstrom- und Inselbetrieb handwerklich sauber aufbauen

Sobald das Fahrzeug gemeinsam mit PV und eventuell einem stationären Speicher auch bei Netzstörungen Energie liefern soll, rückt die Trennung vom öffentlichen Netz in den Vordergrund. Eine saubere Netztrennung ist verpflichtend, damit im Störungsfall keine Energie in defekte Leitungen oder in den Arbeitsbereich von Monteuren eingespeist wird. Die praktischen Lösungen reichen von manuellen Umschaltern bis hin zu automatischen Netzumschaltern mit Verriegelung, die sicherstellen, dass nie gleichzeitig eine Verbindung zum öffentlichen Netz und zum hausinternen Inselnetz besteht.

Für handwerklich Versierte bietet ein manuell bedienter Umschalter mit klarer Schalterstellung und mechanischer Verriegelung eine robuste Lösung. Dieser sitzt meist im Technikraum nahe der Hauptverteilung. Bei Netzausfall wird zuerst geprüft, ob PV-Anlage, Speicher und Fahrzeug ausreichend Energie verfügbar haben. Dann wird der Umschalter auf Inselbetrieb gestellt, wodurch die Hausinstallation physisch vom öffentlichen Netz getrennt wird. Anschließend sorgt Wechselrichtertechnik dafür, dass ein stabiles internes Netz mit korrekter Spannung und Frequenz entsteht.

Wer den Aufwand einer manuellen Umschaltung vermeiden möchte, kann einen automatischen Netzumschalter einsetzen. Dieser überwacht die Netzspannung und trennt bei Störungen nach kurzer Verzögerung das Haus vom öffentlichen Netz. Anschließend wird der interne Inselwechselrichter aktiviert, und PV, stationärer Speicher und Fahrzeugbatterie versorgen die ausgewählten Stromkreise. In solchen Anlagen werden häufig nur definierte Bereiche versorgt, beispielsweise Küche, Heizung, Kühlgeräte, Netzwerk, Beleuchtung und ausgewählte Steckdosen. Starkstromverbraucher wie Durchlauferhitzer oder große Maschinen bleiben in vielen Projekten außen vor.

Bei der Planung der Inselstromkreise ist handwerkliches Geschick gefragt. Wer Schlitze stemmt, Leitungen legt und Unterverteilungen aufbaut, sollte die ausgewählten Kreise mit klar erkennbaren Beschriftungen versehen. In der Praxis hat sich ein separater Ersatzstrom-Unterverteiler bewährt, der alle wichtigen Notverbraucher bündelt. Von dort aus gehen eigene Stromkreise zu den jeweiligen Räumen. So lässt sich jederzeit nachvollziehen, welche Steckdosen und Lampen bei Netzausfall noch funktionieren und welche nicht. Eine sorgfältige Dokumentation im Verteilerkasten mit Schaltplan, Legende und Datum hilft bei späteren Anpassungen oder Fehlersuchen.

Inselbetrieb verlangt außerdem eine zuverlässige Erdungs- und Schutzkonzeption. Je nach verwendetem Wechselrichtertyp kann es nötig sein, im Inselbetrieb ein eigenes Bezugspotenzial zu setzen und die Schutzorgane wie Fehlerstromschutzschalter entsprechend auszuwählen. Hier lohnt ein Blick in die technischen Unterlagen der Geräte und in die einschlägigen Normen. Viele Hersteller geben klare Vorgaben für zulässige Schaltbilder und erforderliche Schutzmaßnahmen. Wer regelmäßig an elektrischen Anlagen arbeitet, kann diese Vorgaben gut in die Praxis übertragen und mit bestehenden Verteilungen kombinieren.

Damit der Alltag weiterhin komfortabel bleibt, sollten Bewohner eine einfache Bedienlogik erhalten. Beschriftete Schalterstellungen, ein kleiner Übersichtsplan neben dem Verteiler und verständliche Anzeigen für Betriebszustand, Ladezustand und Restlaufzeit der Versorgung erleichtern den Umgang mit dem System. Dann wird die Fahrzeugbatterie nicht

Häufige Fragen zur Nutzung des Elektroautos als Hausspeicher

Welche Hardware ist für bidirektionales Laden im Haus nötig?

Sie benötigen ein Elektroauto mit bidirektionaler Ladefähigkeit, eine passende DC- oder AC-Wallbox mit Rückspeisefunktion und einen kompatiblen Wechselrichter beziehungsweise ein Energiemanagementsystem. Zusätzlich sind ein geeigneter Zählerschrank, eine normgerechte Absicherung und gegebenenfalls ein zusätzlicher Zähler durch den Netzbetreiber erforderlich.

Wie kann ich prüfen, ob mein Elektroauto für die Nutzung als Hausspeicher geeignet ist?

Sie finden die Information in den technischen Datenblättern oder im Handbuch des Fahrzeugs, dort wird meist explizit auf Vehicle-to-Home, Vehicle-to-Grid oder Vehicle-to-Load hingewiesen. Alternativ können Sie die Modelllisten der Wallbox-Hersteller prüfen, da diese angeben, mit welchen Fahrzeugen ihre Systeme getestet und freigegeben wurden.

Darf ich ohne Zustimmung des Netzbetreibers Energie aus dem Auto in das Hausnetz einspeisen?

Sobald eine stationäre Anlage mit dem Hausnetz und damit mittelbar mit dem öffentlichen Stromnetz verbunden wird, ist der Netzbetreiber einzubeziehen. In der Regel muss die Anlage zumindest angemeldet, bei bestimmten Leistungsgrößen auch genehmigt werden, wofür Formulare und technische Datenblätter einzureichen sind.

Wie wirkt sich die Nutzung als Hausspeicher auf die Batteriealterung aus?

Jeder zusätzliche Lade- und Entladevorgang beansprucht die Batterie, weshalb ein sinnvolles Limit für nutzbare Kapazität und maximale Entladetiefe im Energiemanagement eingestellt werden sollte. Durch intelligente Strategien, etwa Begrenzung auf einen mittleren Ladebereich und die Vermeidung hoher Ströme, lässt sich die zusätzliche Alterung deutlich reduzieren.

Kann ich das System schrittweise aufbauen oder muss alles auf einmal installiert werden?

Sie können zunächst eine normale Wallbox und gegebenenfalls eine PV-Anlage installieren und das System später um eine bidirektionale Ladestation und ein erweitertes Energiemanagement ergänzen. Wichtig ist, dass Sie bei der Planung des Zählerschranks, der Leitungsführung und der Platzreserven im Technikraum von Anfang an die spätere Erweiterung berücksichtigen.

Wie stelle ich sicher, dass das Auto morgens ausreichend geladen ist?

Im Energiemanagementsystem lässt sich ein Mindestladezustand definieren, der zu einer bestimmten Uhrzeit garantiert erreicht sein soll, etwa über eine Zeitsteuerung mit Ziel-SOC. Zusätzlich können Sie Wochentagsprofile anlegen, damit an Tagen mit langen Fahrstrecken weniger Energie ins Haus abgegeben wird als an Tagen mit kurzen Wegen.

Welche Rolle spielt die Photovoltaikanlage in Kombination mit dem Elektroauto?

Die PV-Anlage liefert den günstigen Überschussstrom, der zunächst das Auto lädt und später bei Bedarf wieder ins Haus zurückfließt, was den Eigenverbrauchsanteil deutlich erhöht. Für eine stimmige Auslegung sollten Generatorleistung, Fahrzeugakku, Hauslast und zulässige Lade- beziehungsweise Entladeleistungen aufeinander abgestimmt werden.

Ist zusätzlich ein stationärer Hausspeicher sinnvoll?

Ein zusätzlicher stationärer Speicher kann die Versorgung in Zeiten sichern, in denen das Fahrzeug unterwegs ist, und kleine Lastverschiebungen übernehmen, ohne den Fahrzeugakku zu beanspruchen. In vielen Projekten ergänzt ein kleiner stationärer Speicher den großen mobilen Speicher des Fahrzeugs und sorgt für mehr Flexibilität beim Energiemanagement.

Wie kann ich im Fehlerfall verhindern, dass das Haus unversorgt bleibt?

Eine durchdachte Planung mit manuellen oder automatischen Umschaltern sorgt dafür, dass das Haus auch ohne Fahrzeugakku normal aus dem Netz versorgt werden kann. Zusätzlich sollten Notstromkreise definiert und im Sicherungskasten klar beschriftet werden, damit im Störfall schnell auf eine einfache Betriebsart umgestellt werden kann.

Welche Einstellungen im Energiemanagement sind für den Alltag besonders wichtig?

Wesentlich sind Grenzwerte für Mindest- und Maximalladestand, Prioritäten zwischen Hauslast, Fahrzeugladung und eventuell vorhandenem stationären Speicher sowie Zeitprogramme für typisches Ladeverhalten. Auch die Begrenzung der maximalen Lade- und Entladeleistung verhindert Spitzenströme und schont sowohl Batterie als auch Hausinstallation.

Kann ich das System bei einem späteren Fahrzeugwechsel weiter nutzen?

Wenn Sie bei der Auswahl von Wallbox und Steuerung auf offene Standards und gängige Schnittstellen achten, bleibt die Installation meist auch mit einem neuen Fahrzeug einsatzfähig. Es lohnt sich, vor dem Kauf zu prüfen, welche Fahrzeugmarken und Protokolle der jeweilige Hersteller auf seiner Kompatibilitätsliste führt.

Welche Gewerke sollten bei der Umsetzung zusammenarbeiten?

In der Regel sind Elektrobetrieb, gegebenenfalls Solarteur und bei komplexeren Systemen ein Fachplaner für Energiemanagement beteiligt, wobei eine klare Abstimmung der Schnittstellen nötig ist. Für eine reibungslose Umsetzung lohnt es sich, alle Beteiligten frühzeitig an einen Tisch zu holen und ein gemeinsames Schalt- und Installationskonzept zu erstellen.

Fazit

Die Nutzung des Elektrofahrzeugs als Energiespeicher kann den Eigenverbrauch steigern, die Stromkosten senken und die Haustechnik deutlich flexibler machen. Entscheidend sind eine vorausschauende Planung, die passende Hardware und ein durchdachtes Energiemanagement mit sinnvollen Grenzwerten. Wer die handwerkliche Umsetzung sauber vorbereitet und auf kompatible Komponenten setzt, kann ein robustes System aufbauen, das sich später erweitern und an neue Fahrzeuge anpassen lässt.

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